Pirmasens, Mitte den 19. Jahrhunderts. Die junge Industriestadt entwickelt sich zu
einem Zentrum der Schuhherstellung. Doch gleichzeitig gibt es große soziale Not. Die
Speyerer Kirchenzeitung "Der christliche Pilger" berichtet von "Armut und mannigfachen
Notständen, wie vielleicht in keiner Gegend des Königreiches".
Mißernten führen zu einer Explosion der Lebensmittelpreise. Krankheit und Seuchen sind in
Folge des Hungers allgegenwärtig. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen sind hart, Arbeitschutz,
Kranken- uns Altersversicherung gibt es noch nicht.
Mehr schlecht als recht leben viele Bewohner der Stadt vom Schuhwerk, das in den Famlien
oder Manufakturen angefertigt wird. Die "Pirmasenser Schuhweiber" sind oft wochenlang
unterwegs, um im Hausiererhandel die Schuhe zu verkaufen. Viele Männer müssen ihr Brot als
Saison- oder Wanderarbeiter verdienen. Die Kinder bleiben meist sich selbst überlassen und
gehen betteln.
Familien bei der Schuhanfertigung
Die Not und die Unzufriedenheit der neu entstandenen Arbeiterklasse mündeten im
Revolutionsjahr 1848 in Aufstände. Sie richten sich nicht nur gegen die Regierungen,
sondern auch gegen die Kirche. Auch in Pirmasens zog am 17. Mai 1849 eine Rotte wütender
Freischärler vor das Pfarrhaus. Fenster und Türen wurden eingeschlagen, Möbel auf die
Straße geworfen und zertrümmert. Pfarrer Stephan Lorenz, der Vorgänger Nardinis, sollte
vor der Stadt erschossen werden, konnte aber fliehen.
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Auf diese Situation trifft Paul Josef Nardini, als er 1851 Pfarrer von Pirmasens wird.
Der junge Priester, der in seiner Kindheit Verlassenheit und Entbehrung am eigenen
Leib erfahren hat, sucht von Anfang an der Not zu begegnen. Im November 1851 wendet
er sich mit einem "Aufruf zur Hilfe der Armen" an die Öffentlichkeit. Darin schildert er
die Not und wirbt für seine Idee, Ordensschwestern mit der karitativen Arbeit in seiner
Pfarrei zu beauftragen.
Doch erst 1853 gelingt es Nardini gegen viele Widerstände, aus dem benachbarten Elsass
Niederbronner Schwestern zur Pflege der Armen und Kranken nach Pirmasens zu holen.
Schon im September speisen sie täglich 30 bis 40 Kinder. Im folgengen Winter breitet
sich Hungertyphus aus. Obwohl die Schwestern helfen, wo immer sie können bleiben sie
als Ausländerinnen von der Ausweisung bedroht. So entschließt sich Nardini an Weihnachten
1854, eine eigene karitative Schwesterngemeinschaft zu gründen. Am 2. März 1855 beauftragt
er zwei junge Frauen, die dem Dritten Orden des heiligen Franziskus angehören, sich der
Kranken, Armen und verwahrlosten Kinder anzunehmen. Das ist die Geburtsstunde der "Armen
Franziskanerinnen von der heiligen Familie". Am 1. Mai ziehen die Schwestern mit den
inzwischen aufgenommenen Waisenkindern in das "Armenkinderhaus" ein, das zum Mutterhaus
der neuen Gemeinschaft wird. Schnell schließen sich weitere begeisterte junge Frauen
an. Ein Jahr später kann Nardini bereits die ersten Schwestern in andere Orte der
Pfalz und sogar nach Bayern schicken, wo sie ein Krankenhaus und ein Armenkinderhaus
übernehmen.
Das 1855 gegründete Armenkinderhaus
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